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Bevölkerungsdynamik im Einzugsgebiet des Drâa

Problemstellung

Die geographische Randlage des Drâa-Einzugsgebietes führt zu einer Marginalisierung in diversen Bereichen, die sich unter anderem in fehlenden Investitionen zur Verbesserung der schwachen Infrastruktur hinsichtlich Bildung, Gesundheit und Wirtschaft manifestiert. Immer wiederkehrende Dürreperioden verschlimmern die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung dieser Region, die ihr Einkommen überwiegend aus der Landwirtschaft generiert. Der Wegfall von Ernteeinkommen über mehrere Jahre hinweg führt zum einen direkt zu einer hohen Abwanderung der männlichen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter und zum anderen indirekt zu Problemen in den Bereichen der Ernährung, Hygiene, reproduktiven Gesundheit und Lebensqualität.

Gegenstand dieses Problemkomplexes ist die Analyse des Wandels der Bevölkerungsgröße und -struktur im Einzugsgebiet des Drâa, darunter die demographischen Faktoren Fertilität, Mortalität/Morbidität, Migration und Lebensqualität. Modelle, mit deren Hilfe Szenarien für demographische Entwicklungen entworfen werden, müssen die Komplexität dieser Prozesse beachten. Zum einen bedingen sich die Einflussgrößen wechselseitig und zum anderen muss der soziokulturelle Kontext betrachtet werden. Mikrostudien sind die Basis, dieser Komplexität gerecht zu werden.

Mitarbeiter

Platt, Rademacher

Zielsetzung

Ziel dieses Problemkomplexes ist es, demographische Prozesse auf verschiedenen räumlichen Skalen sowohl quantitativ als auch qualitativ zu erfassen und zu analysieren. Dafür wird ein qualitativ-analytisches Expertenmodell entwickelt. In Kombination mit dem quantitativ-numerischen Modell SPECTRUM/DemProj werden sowohl lokale als auch regionale Aussagen zur Bevölkerungsdynamik im Drâa-Einzugsgebiet für verschiedene Szenarien abgeleitet.

Mit quantitativen und qualitativen Daten werden die aktuelle Größe und Struktur der Bevölkerung sowie deren Entwicklung im Kontext der regionalen und soziokulturellen Charakteristika analysiert.

Zusätzlich zur Bilanz von Ab- und Einwanderung findet der Faktor Migration im qualitativ-analytischen Expertenmodell Eingang, indem die verschiedenen Variablen der Migrationsmotivation, die zur Migration führenden driving forces sowie die Effekte der Migration auf Dorf- sowie Haushaltsebene hinsichtlich sozialer und kultureller Faktoren (u.a Lebensqualität, Geschlechterverhältnis, sozialer Status) herausgearbeitet werden. Darüber hinaus werden in Kombination mit demographischen Daten Aussagen über die mögliche Entwicklung der Migration im mittleren Drâa-Tal und deren Rückwirkungen (gesellschaftliche Veränderungen, Technik, Innovationen und Wasserverbrauch) auf das Herkunftsgebiet getroffen.

Modellierung
Blockdiagramm

Dürreperioden vermindern die Verfügbarkeit von Bewässerungswasser. Die Lebensgrundlage Landwirtschaft wird bedroht und wirkt sich direkt und indirekt auf die verschiedenen demographischen Faktoren aus. Die abnehmende Quantität und Qualität des Trink- und Haushaltswassers hat negative Folgen für die Lebensqualität. Daten zur Altersstruktur, Fertilität, Mortalität/Morbidität, , Migration und Urbanisierung finden Eingang in das Modell SPECTRUM/DemProj, mit dem die drei Szenarien hinsichtlich der Bevölkerungsgröße bis zum Jahr 2020 berechnet werden.

Methodik

Da demographische Prozesse weder primär noch ausschließlich durch statistisch erfassbare Größen determiniert sind, sondern weil diesbezüglich auch soziale, ethnische und ökonomische Faktoren sowie kulturelle Überzeugungen von zentraler Bedeutung sind, werden die Daten und Analysen bisheriger Forschung in zwei Modellen Eingang finden. Ein primär qualitatives Expertenmodell wird entwickelt, mit dem durch Einbezug weicher Daten die komplexe Realität abgebildet werden kann, z.B. die driving forces hinsichtlich einer Migrationsentscheidung. In das numerische Modell SPECTRUM/DemProj fließen quantitativ erfassbare Daten ein, wie z. B. die Bevölkerungsgröße und die Alterstruktur. Mit dem erlangten regionalen Hintergrundwissen können Trends für eine zukünftige Entwicklung bestimmter Faktoren eingegeben werden, so dass das Modell die Bevölkerungsgröße für einen erwünschten Zeitpunkt errechnet.

Die Datenbasis bilden zum einen Sekundärquellen („Haut Commissariat du Plan“, „Ministère de l’Agriculture“, „Ministère de la Santé“, „Ministère de l’Education“ etc.) und zum anderen Primärquellen (eigener demographischer Survey, teilnehmende Beobachtung, offene und semistrukturierte Interviews, Experteninterviews).

Damit in Zusammenhang stehendes SDSS/IS/MT

Informations-System Demographische Projektionen (ISDemProj)